ERFAHRUNGSBERICHTE

Bezahlung, Arbeits- und Ruhezeiten (3/10)

Bezahlung, Arbeits- und Ruhezeiten (3/10)

Teil 3 von 10: Erfahrungsbericht über die Arbeit im Krankenhaus als junger Arzt in Österreich 2009

Der Beruf des Arztes ist ein sogenannter „risiko-geneigter Beruf".
Doch Bakterien und Viren sind die kleineren Risiken.

Anderen Berufsgruppen stehen nach gewissen Arbeitszeiten verpflichtende Pausen zu. Höchstwahrscheinlich gibt es auch für Ärzte ein Gesetz, das die Pausenzeiten regelt, doch ich habe es nie kennen gelernt. Alles, was ich erfuhr, war, dass ich während der Arbeitszeit kein Recht auf Pause habe, außer ich kann mich mit den Kollegen und Mitarbeitern arrangieren. Gibt es zu viel Arbeit oder Antipathie, gehen Pausen verloren.
Ich erinnere mich daran, dass ich einmal vor einem Oberarzt stand, der sich massiv über mich beschwerte, dass ich einmal gesagt habe, nachdem ich erschöpft ins Schwesternzimmer kam: „Ich bin jetzt 12 Stunden durchgelaufen. Ich habe mir jetzt echt 5 Minuten Pause verdient!"
Es wurde in etwa als Arbeitsverweigerung ausgelegt. Konkret hieß es, ich wollte keine Schmerzinfusionen anhängen, sondern – egoistisch – mich ausruhen. Mir fiel keine Antwort ein, aber man hätte mir sowieso nicht zugehört. In einer Hierarchie hat der Obere Recht, wenn er redet und der Untere schweigt und nickt.

Schuld und Schweigen der Lämmer (2/10)

Schuld und Schweigen der Lämmer (2/10)

Teil 2 von 10: Erfahrungsbericht über die Arbeit im Krankenhaus als junger Arzt in Österreich 2009
Die Angst, durch Schuldzuweisungen in ein schiefes Licht zu geraten,
macht Menschen gefügig und biegsam.
 
Bei Fehlern, Komplikationen und Problemen wird sehr schnell die Verantwortung dafür an eine einzelne oder auch mehrere Person abgegeben. „Wer hat diesen Patienten therapiert?“, „Wer war jetzt im Zimmer und hat das nicht gesehen?“ oder „Wer hat das nicht entsprechend weiterverfolgt?“ Anstatt die Organisation oder die Vorgänge in Frage zu stellen - was sehr aufwändig wäre und viele zum Schwitzen bringen würde und zwar in erster Linie die Vorgesetzten – wird es an Einzelne abgewälzt, die sich wehren können oder nicht. Dabei versucht man durch die Schuldzuweisungen an den Einzelnen die Unannehmlichkeiten abzuwehren, die für die höheren Stellen, das Management, die interne Struktur des Krankenhauses oder auch der gesamten Medizin entstehen würden, wenn sie ihre Verantwortung übernehmen würden.
Erfahrungsbericht über die Arbeit im Krankenhaus als junger Arzt in Österreich 2009 - Vorwort (1/10)

Erfahrungsbericht über die Arbeit im Krankenhaus als junger Arzt in Österreich 2009 - Vorwort (1/10)

Teil 1 von 10: Vorwort

Mein Erfahrungsbericht richtet sich nicht nur an junge Mediziner, die so wie ich, oft keinen vernünftigen Sinn in der Art und Weise sehen, wie Medizin gemacht wird und wie Krankenhäuser funktionieren. Der Bericht richtet sich an alle Menschen, die in vielleicht ganz anderen Jobs auch ähnlich schwierige Verhältnisse vorfinden. Möge es ihnen Mut machen offen auszusprechen, was sie tagtäglich erleben und mögen sie den Mut finden, einen neuen Weg zu gehen. Heute sehe ich Dinge mit mehr Distanz und würde vieles vielleicht nicht mehr in dieser Schärfe und Direktheit schreiben. Doch würde ich wieder in einem solchen Umfeld arbeiten, glaube ich, ich würde wieder ähnliche Worte finden.

Ein Artikel im

Ein Artikel im "Consilium" über die Zustände in den Krankenhäusern 2009

Hier als Download des Originalzeitungsauschnittes vom "Consilium" im Mai 2009, wo ich als anonymer Autor von den Zuständen berichte. Mit einem Kommentar des Turnusärztevertreters Dr. Stefan Halper. Viele KollegeInnen waren damals sehr dankbar, dass jemand ihre Gefühle ausdrückt. Natürlich nur inoffiziell.

Mut zur Weisheit - Blog bei Facebook

Blog-Newsletter

Postkarten