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Termine nach Vereinbarung bieten wir jeweils in der Stunde vor Ordinationsbeginn an, also: Montag 12-13, Dienstag 9-10, Mittwoch 13-14, Donnerstag 8-9 und Freitag 8-9 Uhr. 

Neu ist auch unser Rezept-Anrufbeantworter RUND UM DIE UHR. Die Rezepte können Sie dann am nächsten Werktag in der Apotheke Ihrer Wahl oder bei uns abholen.

Samstag, 04 Januar 2020

Ein Jahr Hausarzt in Wien – ein Rückblick

Die Frage, die mir da gerne gestellt wird, ist: „Würden Sie es wieder machen?“

Meine Antwort ist meistens: „Fragen Sie mich in ein paar Jahren wieder.“
Nun ja, eine Ordination zu übernehmen bzw. zu gründen ist in vielerlei Hinsicht nicht viel anders als ein Unternehmen zu gründen. Der größere Teil der Arbeit ist vor allem das sogenannte „Rundherum“: Buchhaltung, Personal, Unternehmensführung, Pläne, Verhandlungen usw. Man würde sich denken, dass der Hausarzt ein mittlerweile alteingesessener Beruf ist, wo eh schon alles vorgebahnt ist und dass die Übernahme und Gründung einer Ordination relativ einfach ist.
Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein. Eher ist es so, dass man in eine Unmenge von ungelösten Konflikten und Probleme hineingeworfen wird und man einmal lernen muss, sich da über Wasser zu halten: Das Vieleck: Krankenkassen, Patienten, Ärzte, Spitäler, Politik, EDV, Privatmedizin und Kapitalismus (und noch viele andere) ist überaus spannungsgeladen und ein sinnvolles Verhalten darin ein oft schmerzvoller Lernprozess. Vieles an Regeln, Gesetzen, Usus und Kompromissen ist organisch gewachsen und eine Logik für jemanden, der gerade dazukommt, nicht auffindbar. Jeder „Player“ macht Druck und versucht sich durchzusetzen. Wenn dann meine Patienten zu mir kommen, wissen sie gar nicht, wie oft „nichtmedizinische“ Faktoren in ihre Krankenakte einfließen und wie schwierig es für mich ist, das zurückzudrängen, damit es wirklich nur um den Menschen geht.
Ich verstehe alle, die jeglichen Idealismus verloren haben und die Kompromisse akzeptiert haben. Ich verstehe auch diejenigen, die meinen, dass wir nichtsdestoweniger in Österreich immer noch eines der besten Gesundheitssysteme der Welt haben. Wenn Sie meine Meinung wissen wollen, ich habe Medizin studiert vor allem, um zu helfen, mein Wissen und Mitgefühl einzusetzen, um Menschen gesünder und zufriedener werden zu lassen. Doch das ist oft der kleinere Teil des Arbeitstages.
Wenn der letzte Patient, hoffentlich zufrieden, nach Hause geht, dann geht oft mein Arbeitstag so richtig los: Ich nehme den Hörer in die Hand und mit irgendjemanden im Vieleck zu diskutieren und leider oft zu streiten zu beginnen, damit es am nächsten Tag, wenn ich wieder in die Ordi komme, zumeist lange, bevor der erste Patient durch die Tür kommt, zumeist schon vor den offiziellen Öffnungszeiten, die Qualität gewinnt.
Beispiele gäbe es viele, die es wert wären hier zu nennen, aber eines möchte ich konkret herausgreifen, da es das oben Beschriebe veranschaulicht:
Seit kurzem ist es so, dass allgemeinmedizinische Ordinationen mehr Geld pro Patient bekommen einfach dafür, dass sie mehr Patienten haben, ohne mehr an dem Patienten zu tun. Ich weiß, dass versteht kaum jemand oder glaubt einem keiner, der nicht unmittelbar damit zu tun hat.
Es ist nun tatsächlich so, dass die Hausärzte nun endlich etwas Geld dafür bekommen, wofür sie früher nichts bekamen. Doch natürlich auch viel neue Bürokratie und Abstriche. Und an manchen Stellen bekommen nur die Ordinationen mehr Geld, die viele oder noch mehr Patienten versorgen. (Wahrscheinlich sind die Warteschlangen vor dem Schalter noch zu kurz.)
Vieles ist in der Abrechnung gedeckelt und pauschalisiert, die Pauschale wird aber nun höher pro Patient, wenn ich mehr Patienten habe, ohne mehr getan zu haben. Man möchte damit sicherlich eines bewirken: dass die Ordinationen größer werden, nicht die Qualität. Einfach nur mehr und eben auch schneller und sicher nicht mehr Qualität.
Mehr Patienten pro Tag bedeutet weniger Zeit, weniger Gespräch und weniger Leistungen für den einzelnen Patienten. Ironischerweise können sich die Wartezeiten verkürzen, da mehr am Schalter abgehandelt wird, bzw. die Konsultationen kürzer ausfallen, um die „Masse“ der Patienten „abhandeln“ zu können. Insgesamt wird aber alles teurer und ineffizienter, denn es ist ja nicht mehr geschehen. Ich frage mich immerzu, bei allen Entwicklungen, in welche Richtung drängen sie mich und damit meine Patienten? Zu mehr Quantität (schnell, schnell) oder zu mehr Qualität (langsam und genau)?
Ich möchte Qualität anbieten. Es kann davon nie genug geben, das ist nicht nur das Credo der medizinischen Wissenschaft und einer der Gründe, warum die Menschen zumindest in Österreich immer länger leben. Wie schwierig es oft ist, Qualität zu garantieren, aufgrund der vielen „Rahmenbedingungen“, das ist der Grund, warum ich am Anfang meinte, dass Sie mich besser in ein paar Jahren fragen, ob es eine gute Idee war Hausarzt zu werden.
Am Anfang hatte ich eine Hundertstundenarbeitswoche, mitunter sind es nur noch Sechzigstundenarbeitswochen. Um es zu veranschaulichen: Es ist Samstagnachmittag und es wird langsam dunkel. Meine Frau macht die Buchhaltung und ich arbeite Patientenkarteien durch und mache mir Gedanken zur Arbeit und lasse Sie, liebe Lesende, daran teilnehmen. Diese Nacht habe ich schlecht geschlafen, da ich mich am Spätabend gestern noch mit den jüngsten Veränderungen seitens der Krankenkassen zur Finanzierung des Ordinationsbedarfs durchgelesen. Ja es wird teurer für mich werden.
Es macht mir immer noch Spaß, auch wenn ich stöhne. Also mache ich weiter, denn Menschen zu helfen ist eine wunderbare Sache und stellt einen Wert in sich dar, der vieles aufwiegt.

Ich halte Sie am Laufenden. Prosit Neujahr!

Dr. Werner-Heinz Kállay

Ordinationszeiten

Montag 13.00 - 17.00
Dienstag 10.00 - 14:00
Mittwoch 14.00 - 19.00
Donnerstag 9.00 - 12.00
Freitag 9.00 - 13.00

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