emoticonmask2Für Termine am selben Tag bitte jeweils in der Stunde vor Ordinationsbeginn anrufen, also: Mo 12-13, Di 9-10, Mi 13-14, Do+Fr 8-9 Uhr. Sie kommen garantiert durch, bleiben Sie bitte in der Warteschleife, Ihr Telefonat ist gereiht und wird beantwortet. Sie können auch während der Ordinationszeiten anrufen, da können wir aber nicht garantieren, dass wir immer abheben können, da wir mit PatientInnen beschäftigt sind.

Die Pandemie-Müdigkeit

Man wird selten müde etwas zu tun, wovon man überzeugt ist, dass es absolut Sinn macht und wichtig ist. Klar kann es furchtbar anstrengend, erschöpfend und ermüdend sein. Und jammern muss man sowieso immer zumindest ein bisschen. Aber man macht weiter, man lebt damit, passt sein Leben an, macht das Beste draus.

Eigentlich könnte man „Pandemie- oder Corona-Müdigkeit“ mit Lebensmüdigkeit vergleichen. Denn wenn wir müde davon werden, uns in einer Pandemie vernünftig zu verhalten, könnte man uns unterstellen wir seien auch des Lebens etwas überdrüssig geworden.

Die Wahrheit ist wohl eher, dass wir Menschen sind, also sonderbare Wesen voller widerstreitenden inneren Stimmen, die sich nur schwer auf Dauer auf etwas einigen können. Ich hoffe Ihnen gefällt meine Definition des Menschen. Was ich damit sagen will, ist, dass sich schnell der Schlendrian in uns einstellen kann, wenn man Dinge tun muss, von denen man weiß, dass sie zwar wichtig sind, aber leider nicht angenehm. Auch ich muss mich ständig an der Nase nehmen und erinnern die Regeln einzuhalten und das klappt – offen gesagt – leider nicht immer. Meine Nase ist schon ziemlich verbogen mittlerweile. Ich wundere mich immer wieder über mich. Ich spreche hier natürlich nur von mir und ich hoffe, dass das bei Ihnen ganz anders ist.

Ich habe es Ihnen ja schon letztens einmal ausgeführt, dass wenn sich während des Geschlechtsverkehrs eine „Verhütungs-Müdigkeit“ einstellen sollte, es ja auch zu ungewollten „Überraschungen“ kommen kann. Die Biologie schläft eben nie, sondern wartet auf ihre Chancen.

Doch zurück zur Pandemie-Müdigkeit: Das Problem ist vielleicht weniger, wie wir die Pandemie sehen, sondern was wir von ihr sehen. Wenn ich fernschaue, in Zeitungen und sozialen Medien lese, sehe ich wenig von der wirklichen Pandemie. Ich sehe nicht das Leid der Kranken, der trauernden Angehörigen, der Menschen, die aus dem Leben gerissen wurden. Es wird nicht darüber nachgedacht, wie kurz wir im letzten Jahr vor dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems standen und die Todeszahlen in die Höhe schossen. Wir diskutieren nicht über unser Nachbarland Tschechien, das völlig die Kontrolle über die Pandemie verloren hat und eine erschreckende Opferzahl zu beklagen hat.

Wir reden dafür über den verletzten Nationalstolz von Regionen, die sich nicht unter Quarantäne stellen lassen wollen. Darüber, ob die veröffentlichten Statistiken mal wieder nicht stimmen, oder wie die Regierung ständig falsche Entscheidungen trifft, wie die Betriebe um ihre Existenz bangen. Wir reden, wie sich keiner mehr auskennt und wir alle darunter leiden, dass wenig so ist wie noch vor zwei Jahren. Auch ich jammere und ärgere mich und bitte verstehen Sie mich nicht falsch – all das muss auch gesehen werden. Auch da muss sehr viel getan werden. Aber wo sehen wir die eigentliche Pandemie?

Das eigentliche Leid und das Leid, das wir zu verhindern versuchen wird eigentlich verdrängt. Wo sind die Kranken? Die Toten? Viele zweifeln, dass es sie überhaupt gibt. Jeden Tag sehen wir Berichte über Testungen oder Demonstrationen. Wo sind die Berichte über die Menschen, die sich nicht fangen nach dieser Erkrankung? Fast jeder flucht über die Einschränkungen. Doch wer schenkt den Erkrankten, Angehörigen und Toten sein Mitgefühl?

Es ist fast schon ein Tabu. Eine populäre österreichische Schauspielerin versucht auf ihren sozialen Kanälen über ihre nicht enden wollende Covid-Erkrankung zu reden. Sie wurde dafür angefeindet, sodass unser Wiener Bürgermeister ihr aufmunternde Briefe schreibt, nicht nur wegen ihrer Erkrankung, sondern auch als Solidarität gegen all den Hass, der ihr entgegengebracht wird, weil sie dieses Tabu bricht.

Vielleicht sollte man nicht von Pandemie-Müdigkeit, sondern vom „Pandemie-Hass“ sprechen. Ich gebe zu, es ist ein etwas polemischer Ausdruck, doch er würde uns zeigen, dass unsere Reaktionen auf die Pandemie oft weder gesund noch vernünftig sind.

Wir brauchen unser Mitgefühl mit den Kranken, nicht nur für die Kranken, sondern auch für uns selbst, um die Pandemie zu verstehen und zu akzeptieren.

Kaum jemand sieht und zeigt gerne wirkliches Leid. Schnell werden einem Alarmismus, Panikmache oder gar Inszenierung vorgeworfen. Doch beizeiten müssen wir es sehen, sonst sehen wir nicht mehr. Sonst sehen wir nur noch unseren Frust.

Doch solange wir frustriert sind geht es uns noch einigermaßen gut. Diejenigen, die es wirklich schwer erwischt in dieser Pandemie, haben keine Kraft mehr zu schreien und sich zu beschweren. Sie schweigen und haben andere Sorgen. Leider werden zu oft diejenigen mehr gehört, die laut schreien.

Leidende Menschen haben selten eine Lobby. Wenn Sie mich fragen, welche Gruppe es – psychologisch - am härtesten trifft, neben den Erkrankten, würde ich meinen die Kinder und Jugendlichen, insbesondere die Pubertierenden. Sie befinden sich – biologisch – in einer Aufbruchphase und sind nun vollkommen gebremst. Erwachsene Menschen haben die Phase (hoffentlich) schon hinter sich und können weitaus besser mit solchen „Stillständen“ und „Einbrüchen“ umgehen. Die psychiatrischen Probleme nehmen bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen gerade massiv zu. Vielleicht sollte man schnell Impfungen für diese Altersklasse zulassen und beim Impfen vorziehen.

Vielleicht denken Sie sich jetzt, dass der liebe Herr Doktor leicht reden hat. „Er sitzt durchgeimpft auf einem Berg von Impfungen in seinem Häuschen und schreibt groß über Solidarität“.

Aber selten lehrt uns etwas so eindrücklich wie wichtig Solidarität und Zusammenhalt sind, über alle Alters- und Landesgrenzen hinweg wie eine Pandemie. Wenn wir uns hierbei helfen wollen, können wir das oft nur, indem wir anderen helfen, für andere etwas tun. Und so helfen wir uns selber. Es ist tatsächlich so.

Dass ich Ihnen das schreibe ist ja auch ein Akt der Solidarität. Ich könnte ja auch etwas anderes tun. Doch ich schreibe es Ihnen, weil Sie immer noch gerne meine Worte zu diesem Thema lesen und ich Sie so einschätze, dass Sie daran anknüpfen können. Und irgendwie schreibe ich auch einfach gerne.

Corona-Leugnern könnte man das alles nicht erzählen.

Denn ein großes Problem der Corona-Leugner ist es wohl, dass es in ihrem Weltbild kein Basisverständnis für die Existenz von gefährlichen, sich schnell ausbreitenden Mikroben gibt.

Sie können nicht an die Geschehnisse anknüpfen und bleiben bzw. flüchten sich in die Ecken ihres Weltbildes. Sie meinen dann, die ganze Welt sei „psychotisch“ geworden und fühlen sich bedroht. Da kommt man mit keinem Argument mehr durch.

Ich hoffe aber wir bleiben alle gesund – geistig und körperlich.

Verzeihen Sie, dass es heute etwas ernster zugeht in meinen Worten. Aber man muss manchmal auch über diese Dinge plauschen. Vielleicht verlieren sie ja ihren Schrecken, wenn man beginnt es einfach zu tun und ihnen einen sichtbaren Platz im Leben gibt, umgeben von viel Liebe, Mitgefühl und Humor.

Es gibt nur sinnvolle und individuell gute Lösungen, wenn man zuerst einmal die eigentlichen Probleme sehen kann. Nur dann kann einem etwas “G’scheites“ einfallen. Zuerst die Diagnostik, dann erst die Therapie, würde man in der Medizin sagen.

Was also tun? Hier nun die Therapie:

Mein nicht-patentiertes 8-Punkte-Programm

1.Den Sinn klar sehen

Wir leiden in der Pandemie „freiwillig“ um das viel größere unfreiwillige Leid durch das Virus selbst zu vermeiden. Der Vorteil ist, dass wir so steuern können. Beatmet auf der Intensivstation oder geschunden von Langzeitfolgen ist das ein bisschen sehr schwer. Wir können steuern, indem wir zuerst einmal den Sinn wieder klar sehen, warum es so ist und dass die Pandemie-Maßnahmen ihren Sinn haben.

Sicher könnte, sollte und müsste die Politik vieles besser in der Pandemiebekämpfung machen, aber es geht zuallererst darum, diese Situation ganz anzunehmen und bis zum Ende, wenn alle durchgeimpft sind, sinnvoll mitzumachen.

2.Sich nicht „radikalisieren“ lassen

Man muss wohl versuchen, sich in diesem Chaos rund um die ganze Pandemie, immer wieder auf das Wesentliche zu besinnen und sich nicht durch alles was gerade schiefgeht - und das ist eine immense Menge – aus der Ruhe bringen zu lassen. So gut es geht Sachlichkeit und Vernunft den Vortritt vor „Müdigkeit“ und Ablehnung zu lassen. Lassen Sie sich nicht wahnsinnig machen. Niemals nie und wenn dann nur kurz.

3.Impfen

Für Impfanmeldungen für sich und alle um einen herum zu sorgen. Für klein und groß – jeden anmelden. Nicht bei mir in der Ordination, aber im Internet zB.: „impfservice.wien“ oder über die Telefonnummer „01/1450“. (Ich hoffe ich konnte Sie in meinem letzten Text davon überzeugen)

Nicht vordrängen, einfach einreihen und dazu stehen. Vielleicht ab und zu mal höflich beim Impfservice „nachfragen“, wann es soweit ist. Aber bitte nicht bei uns in der Ordination. Wir wissen dazu genau gar nichts, nämlich wann, wer, wo geimpft wird. Leider.

4.Masken tragen – keinen ungeschützten Gesprächsverkehr!

Masken tragen, am besten qualitativ gute Masken. Ich erlaube mir hier Produktwerbung für die „Aura“- Maske der Firma 3M zu machen. Hier ein Erfahrungsbericht der deutschen Stiftung Warentest. Als einzige erfüllt sie im Test ohne Einschränkung die wichtigsten Kriterien. Sie bekommen sie auch bei uns. Im Internet sind sie billiger.

5.Testen lassen

Im Zweifelsfall immer testen. In der Teststraße, in der Schnupfenbox, bei mir, wo auch immer. Do it.

6.Improvisieren nach dem Prinzip „Hoffnung“

Ich weiß, viele würden mir jetzt am liebsten den Kopf abreißen, weil sie zu recht sagen, dass wir das eh schon alle seit einem Jahr tun. Nur was hilft es einem selber, seinem Arzt den Kopf abzureißen?

Es nützt alles nichts. Wir leben in einem Zustand der wankelmütigen Improvisation. Dieser Zustand wird, so wie es aussieht, im Laufe dieses Jahres enden. Die Impfungen wirken. Wir werden uns zwar immer wieder mit Auffrischungsimpfungen gegen neue Varianten „upgraden“ lassen, aber nach dem ersten Durchimpfen wird die Pandemie wohl hierzulande vorbei sein. Es wird natürlich dauern, bis die ganze Welt durchgeimpft ist. Die „westliche“ Welt, wird es aber Großteils dieses Jahr schon sein. Bis dahin „improvisieren“ Sie am besten dieses Jahr fertig. Nicht mehr lang, versuchen Sie was nur geht, der bald endenden Situation noch das beste abzugewinnen.

7.Planen Sie wieder für das „Leben danach“

Es wird natürlich noch dauern, bis wir wieder Normalbetrieb haben können und zu hundert Prozent „ganz normal“ wird es dieses Jahr ganz sicher noch nicht werden. Und ja, es wird viele tragische Rückschläge geben, die Zahlen werden immer wieder steigen, Lockdowns kommen und gehen, es wird noch viele Hiobs-Botschaften geben und noch zuviele Menschen leider versterben. Die Politiker werden noch viel miteinander streiten und uns kopfschüttelnd stehen lassen, die Fetzen werden fliegen und es wird noch einen Haufen Korruptionsskandale geben. Jetzt bin ich auch noch ein Prophet.

Aber es ist nur realistisch, nicht bloß optimistisch, wieder erste, kleine Pläne zu schmieden, auch wenn wir bis dahin noch eine dritte oder vierte Welle überstehen müssen. Es werden die nächsten Monate Millionen Impfungen nach Österreich kommen und ständig werden neue Impfstoffe zugelassen, die bislang allesamt enorm vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Im Sommer können wieder viele Maßnahmen zurückgenommen werden, alleine schon wegen den warmen, virusunfreundlichen Temperaturen und weil wir dann wieder mehr im Freien sind, wo Übertragung seltener passiert. Mit etwas Glück ist bis zum Herbst ein Großteil der Bevölkerung geimpft. So wie es aussieht, kann man nächsten Winter wieder Skifahren gehen.

Der amerikanische Präsident rechnet im Sommer mit dem Erreichen der Durchimpfung der Erwachsenen in den USA, die deutsche Kanzlerin bis zum Herbst in Deutschland und Österreich wird sich da auch irgendwo einreihen.

Bei einem Skirennen würde der Kommentator jetzt ins Mikrophon brüllen: „Jetzt auf den letzten Metern ja nicht die Nerven verlieren!“

8.Wenn Sie mal wieder Zeichen von Corona-Müdigkeit bei sich erkennen:

Seien Sie lieb zu sich, aber nehmen Sie sich selbst wie ich bei der eigenen Nase und erinnern sich daran, worin sich Pandemie-Müdigkeit und Verhütungsmüdigkeit ähneln: Die Biologie schläft nie. Sie wartet auf ihre Chancen.

Geben Sie zu, ich habe Sie vollkommen überzeugt. Es wird schon werden, auch wenn die letzten Meter vielleicht noch sehr hart werden. Mein Wort in Gottes Ohr :)

Dr. Werner-Heinz Kállay

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