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Freitag, 10 September 2021

Die Pandemie der Ängste

20 Monate Pandemie – was diese Zeit mit mir als Arzt machte?

Es machte mich oft müde, frustriert und ausgelaugt. Manchmal verzweifelt, dass wir uns nicht zusammenraufen können, um die Pandemie zu beenden. Doch das ist nicht alles. Mehr dazu aber erst am Schluss.

Nicht wegen den medizinischen Problemen bin ich frustriert, obwohl man sagen muss, dass wir immer noch keine echte Therapie für COVID haben, sondern weil wir so schleppend weiterkommen in der Eindämmung: Regierung, Behörden, Politik, Öffentlichkeit und Medien - oft scheint es so, als wollten sie gar nicht mehr so wirklich, dass das alles rasch endet. Zwar beteuern sie es gerne, doch in den Taten sieht es mitunter anders aus, träger, verhaltener, ideenarm und zerstritten. Wo ist der Elan geblieben? Die Kraft?
Denn was hierbei nicht im Vorfeld verhindert wird, wird dann das Gesundheitssystem brauchen, um zu heilen. So wird die Last der Pandemie aufs Gesundheitssystem und die Menschen, die dort arbeiten zu leichtfertig abgewälzt. Sollen wir doch das Problem lösen. Nur wie?

Noch mehr Impfstoffe für die Unwilligen heranschaffen? Noch mehr Intensivstationen bauen?

Es fehlt an der klaren Absicht die Pandemie zu beenden. Die hierbei scheinbar hoffnungsvollen Versprechen wie Eigenverantwortung, Freiwilligkeit, Gratiscoronatests habe ich persönlich schon aus meinem Bewusstsein verbannt, weil sie weniger für die Lösung als für die Probleme selber stehen. Wer sie in meiner Gegenwart ausspricht, muss etwas ins Phrasenschwein werfen.

Man muss mal gründlich drüber nachdenken.

Denn, wie lange wollen wir noch testen, jetzt wo es Impfungen gibt? Noch Jahre? Wie lange wollen wir die Menschen tatkräftig bei ihrem Experiment unterstützen, die Pandemie einfach auszusitzen, nur um zu schauen, wann sie sich dann doch das Virus einfangen, nur um dann zu sehen, ob sie ein Spital brauchen oder nicht? Oder wollen wir sehen wie lange wir selber, die wir hoffentlich geimpft sind, nervlich eine unnötige Pandemie aushalten?

Wie lange soll die Verantwortung von politisch Verantwortlichen auf die Bevölkerung abgewälzt werden mit der fantasievollen Begründung: „Es ist eh alles ja Eigenverantwortung“
Ist es das?

Wenn die Politik desinteressiert wird, dann schiebt sie die Probleme ins Eck der „Eigenverantwortung“ und dergleichen. Sollen die Menschen sich doch selber etwas überlegen! Das tolle Wort der „Freiwilligkeit“ wird in den Mund genommen. Es ist gesetzlich verankert, dass wir uns im Auto anschnallen sollen, es einmal im Jahr zum Service bringen, wie wir auf den Cent genau Steuern dafür zu bezahlen haben, aber die Pandemie dürfen wir für uns jetzt eigenverantwortlich selber gestalten. Wie nett.

Wie soll das gehen, noch dazu, wo vieles oft gar nicht funktioniert wie zB Absonderungen, Kontaktnachverfolgungen, Kontrolle der 1,2,3-G-Regeln. Die Liste wäre endlos. Entweder man kommt mit der Arbeit nicht nach oder man will den Sinn nicht mehr sehen. Denn Menschen geben ihre Kontakte gar nicht erst an, Absonderungsschreiben kommen auch nach 1 u ½ Jahre Pandemie immer noch irgendwann und man schreibt Regeln vor, aber kontrolliert sie nicht.

Die Pandemie-Unlust macht sich schon lange breit. Aber für viele scheinbar noch mehr die Lust auf die Intensivstation.

Ein großer Teil der Bevölkerung zweifelt das alles an, unterstützt von wahnsinnig gewordenen Politikern, die opportunistisch Kapital daraus schlagen wollen, unterstützt von Pseudoexperten und verwirrten Ärzten, die ganz sicher wissen, dass die Pandemie selber ein Humbug ist. Und die ganzen Maßnahmen sowieso.

Viele hoffen, dass wir aus unseren Fehlern lernen, nur wann, wo und wie soll das Lernen geschehen? Wird dann in 100 oder 1000 Jahren in den Schulbüchern den Kindern unterrichtet werden wie primitiv und unbeholfen man damals in der Corona-Pandemie war? So wie viele heute über Höhlenmenschen denken, als diese mit Gekritzel an den Höhlenwänden vielleicht die Geister ihrer Krankheiten besiegen wollten, so wie viele heute mit ihrem Gekritzel in den sozialen Medien?

Viele Menschen lernen ja aufrichtig dazu, aber jede neue Welle bedeutet einen neuen Höhepunkt der Pandemie, den es nur geben kann, wenn wir insgesamt noch nicht ausreichend dazulernen konnten, wie man es besser macht. Oder mal wieder zu langsam sind. Oder zu bequem?

Leider, viele stehen all dem Leid zu gleichgültig gegenüber und lassen es über sich und uns hereinbrechen wie eine Welle. Das Leid wird wie so oft privatisiert, also an die Betroffenen ausgelagert, ganz dem „Leidbild“ der Selbstverantwortung folgend. Denn das ist der Preis für die Selbstverantwortung: Sollten wir schwer an COVID erkranken, sind die Schmerzen der Preis dafür gewesen, dass wir uns „frei“ entscheiden durften. Auf der Intensivstation sind die Fantasien der Eigenverantwortung dann aber ausgeträumt, diese Ideologie widerlegt. Dort kommen wir nur hin, wenn und weil wir eben nicht mehr körperlich imstande sind, für uns die komplette Verantwortung zu übernehmen und wir diese teilen müssen, vielleicht sogar ganz abgeben müssen. Vielleicht für immer. Doch waren wir je wirklich ganz eigenverantwortlich? Wie könnten wir?

Seit 20 Monaten lähmt die Pandemie uns alle. Mit den Impfungen wäre sie quasi zu Ende. Die wichtigste Aufgabe von uns allen wäre es, alles dafür zu tun, dass möglichst schnell alle geimpft werden und diejenigen die wir aus medizinischen Gründen oder zu niederem Alter noch nicht impfen können, bis dahin zu schützen, wenn wir sie dann impfen können.

Wo ist der Elan dafür? Die Aufbruchstimmung? Die Hoffnung, dass es jetzt endlich beendet werden kann?

Woher diese Gleichgültigkeit? Diese scheinbare Müdigkeit, den letzten Akt zu spielen? Es ist wie ein Fußballspiel, wo alle Zuschauer, kurz vor dem Ende des Spiels, müde und unaufgefordert nach Hause gehen.

Sind wir in der Pandemie bei der Gleichgültigkeit angelangt?

Doch die Angst der Menschen vor der Impfung ist auch einer anderen Pandemie geschuldet, nämlich der Pandemie der bewussten Fehlinformierung. Man nutzt die Ängste der Menschen brutal aus, ihre Ängste vor den Ärzten, ihre Ängste die Gesundheit und Selbstbestimmung zu verlieren, ihre Angst davor sich zu (ver)irren.

Es ist oft fast nur noch Psychologie. Welche Psychologie wird sich durchsetzen? Inzwischen surft und gleitet das Virus auf den Ängsten, der Gleichgültigkeit und der Verwirrung dahin. Das wahre Material, aus dem die vierte Welle gemacht ist.
Da helfen keine Masken oder Impfungen dagegen. Nicht noch so viel Geld eines wohlhabenden Staates. Hier hilft nicht einmal die Demokratie.

Man kann warten und zusehen wie sich die Menschen entweder infizieren oder immunisieren. Man kann hoffen, dass es irgendwann genug sind und es vorbei ist, wenn die hochgehaltene Herdenimmunität erreicht ist. Doch muss man dabei etwas zitternd die Finger gekreuzt lassen, dass nicht neue Virusvarianten den alten Schutz unterwandern und das alles von vorne losgeht.

Besser, man passt gut auf, sich von all dem Wahnsinn rundherum nicht richtiggehend hypnotisieren und vereinnahmen zu lassen.

Besser, man macht mit und hilft, solange es gebraucht wird.

Besser, man bleibt geistesgegenwärtig, um den Wahnsinn zu sehen, um nicht doch ein Teil davon zu werden.

Besser, wir werden nicht doch noch „selbstverantwortlich“ und vertrauen nicht mehr, spalten uns ab und kümmern uns nicht mehr so ganz um die anderen. Denn jeder soll sich ja um sich selber kümmern. So hat es geheißen.

Doch war nicht genau das die ganze Zeit der eigentliche Fehler? Dass wir zu wenig aufeinander schauten? Denn wir sehen, wie leicht sich wieder die Menschen, die Freunde, die Familie, die Gesellschaft spalten lassen: In Arm und Reich, in In- und Ausländer, in Kluge und scheinbar Dumme, in diejenigen, die auf der „richtigen“ und denjenigen, die auf der „falschen“ Seite der Geschichte stehen. Das hatten wir doch alles schon so oft, nicht wahr?

Besser, wir bleiben füreinander verantwortlich und erkennen, dass die Gleichgültigen, Verwirrten und Verängstigten eigentlich unsere Hilfe brauchen in dieser schweren Zeit, auch wenn es ihnen nicht bewusst ist und sie alles abstreiten.

Fürchten wir uns nicht vor ihnen, vor denen, die sich fürchten. Treten wir ihnen lieber entgegen, den Verwirrten, den Panikmachern und Ausnützern.

Treten, wir vor allem den Verängstigten entgegen. Machen wir ihnen Mut, den Schritt zu wagen, sich zu impfen! Beenden wir die Gleichgültigkeit!

Die Risse, die Spaltungen, sie sind oft nur unsere Ängste. Das Virus weiß es zu nutzen und ist in vielerlei Hinsicht nur ein austauschbarer Opportunist. Hierbei müssen wir alle lernen, verdammt viel noch dazuzulernen.

Sonst vergeht das Virus und die Ängste bleiben und warten auf neue Chancen.

Egal was passiert, wir kommen da nur gemeinsam heraus.

Je mehr Menschen das umso schneller erkennen, desto eher rollt die Pandemie ihrem Ende zu. Die Pandemie der Viren und der Ängste.

Was machte also die Pandemie zu guter Letzt aus mir? Fragen wir es so: Was machte sie nicht aus mir?

Sie machte mich weder gleichgültig noch gleichmütig.

Nur die Hoffnung fürs Letztere habe ich noch nicht aufgegeben, nämlich gleichmütig zu werden, frei von Ängsten.

Dr. Werner-Heinz Kállay

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